Googles Topics API: Aufstieg und Ende der Cookie-Alternative
2022 stellte Google die Topics API als Nachfolger von FLoC und als Ersatz für Third Party Cookies vor. Im Oktober 2025 hat Google Topics zusammen mit den meisten anderen Privacy-Sandbox-Technologien wieder eingestellt. Dieser Artikel erklärt, wie Topics funktionieren sollte, warum es gescheitert ist und was der Rückzug für Werbetreibende und Entwickler bedeutet.

Inhalt
Als dieser Artikel Ende 2022 erschien, galt die Topics API als Googles Antwort auf das Ende der Third Party Cookies. Safari und Firefox blockierten Drittanbieter-Cookies bereits, Chrome wollte nachziehen und brauchte dafür einen Ersatz, mit dem sich Werbung weiterhin interessenbasiert ausspielen lässt. Knapp drei Jahre später ist von diesem Plan wenig übrig. Chrome behält Third Party Cookies, und die Topics API wird aus dem Browser entfernt.
Mehr zu Cookies, DSGVO und digitaler Werbung findest Du im Artikel „Das Ende der Third Party Cookies, das nicht kam“.
Die Ausgangslage: Privacy Sandbox und FLoC
Google kündigte 2019 die Privacy Sandbox an, ein Bündel von Browser-APIs, das Cross-Site-Tracking im Chrome-Browser unterbinden und gleichzeitig Werbeauslieferung, Zielgruppenansprache und Erfolgsmessung weiterhin ermöglichen sollte. Die Vorbilder waren die Intelligent Tracking Prevention in Safari und die Enhanced Tracking Protection in Firefox. Anders als Apple und Mozilla verdient Google allerdings den größten Teil seines Umsatzes mit Werbung und hatte daher ein starkes Interesse daran, dass Werbung im Web ohne Third Party Cookies funktioniert.
Der erste Anlauf hieß FLoC (Federated Learning of Cohorts). Der Browser sollte Nutzer:innen anhand ihres Surfverhaltens in Kohorten aus Tausenden Personen mit ähnlichen Interessen einsortieren. Werbetreibende hätten dann Kohorten statt Einzelpersonen adressiert. FLoC stieß auf Widerstand von Datenschützern, anderen Browserherstellern und der Werbewirtschaft, die eine weitere Konzentration von Nutzerdaten bei Google befürchtete. Im Januar 2022 stellte Google FLoC ein und präsentierte am selben Tag den Nachfolger: die Topics API.
Wie Topics funktionieren sollte
Die Grundidee von Topics war einfacher als FLoC. Der Browser ordnet die besuchten Webseiten einer festen, öffentlich einsehbaren Taxonomie aus Interessenkategorien zu, etwa „Fitness“ oder „Reisen und Verkehr“. Sensible Kategorien wie Geschlecht oder ethnische Herkunft waren von vornherein ausgeschlossen. Aus den Besuchen einer Woche ermittelt der Browser die wichtigsten Themen dieser Person und speichert sie lokal auf dem Gerät. Google-Server sind an dieser Berechnung nicht beteiligt.
Ruft die Person eine Webseite auf, die Topics einsetzt, erhält die Seite drei Themen: je eines aus jeder der letzten drei Wochen. Ältere Themen werden gelöscht. Nutzer:innen konnten in den Chrome-Einstellungen sehen, welche Themen ihnen zugeordnet waren, einzelne Themen entfernen oder die Funktion komplett abschalten.
Ergänzt wurde Topics durch weitere APIs der Privacy Sandbox. Protected Audience (zunächst FLEDGE genannt) sollte Remarketing über Auktionen im Browser ermöglichen, ohne dass Werbetreibende erfahren, welche Seiten eine Person besucht hat. Die Attribution Reporting API sollte Conversions messen, ohne einzelne Nutzer:innen über Seiten hinweg zu identifizieren. Zusammen sollten diese Bausteine die drei Kernfunktionen von Third Party Cookies ersetzen: Interessen-Targeting, Retargeting und Erfolgsmessung.
Warum die Cookie-Abschaltung nie kam
Topics wurde 2022 getestet und 2023 in Chrome allgemein verfügbar. Die Abschaltung der Third Party Cookies, für die Topics als Ersatz gedacht war, verschob Google jedoch mehrfach: von 2022 auf 2023, dann auf 2024, dann auf 2025. Ein Grund war die britische Wettbewerbsbehörde CMA. Sie hatte Google im Februar 2022 rechtlich bindende Zusagen abgenommen, die Privacy Sandbox so zu gestalten, dass sie den Wettbewerb im Werbemarkt nicht verzerrt, und prüfte jeden Schritt.
Am 22. Juli 2024 gab Google den Plan auf, Third Party Cookies abzuschalten. Stattdessen sollte Chrome den Nutzer:innen eine bewusste Wahl anbieten, ob sie Third Party Cookies zulassen. Am 22. April 2025 verwarf Google auch diesen Prompt. Third Party Cookies bleiben in Chrome, gesteuert wie bisher über die Datenschutzeinstellungen des Browsers. Damit fehlte der Privacy Sandbox ihre Geschäftsgrundlage: Solange Cookies funktionieren, gibt es für Werbetechnologie-Anbieter wenig Anlass, ihre Systeme auf eine Reihe neuer, nur in Chrome verfügbarer APIs umzustellen.
Das Ende im Oktober 2025
Am 17. Oktober 2025 verkündete Anthony Chavez, Vice President Privacy Sandbox bei Google, dass Google die meisten Privacy-Sandbox-Technologien einstellt. Betroffen sind Topics, Protected Audience, Attribution Reporting, Related Website Sets, Private Aggregation, Shared Storage, SelectURL, IP Protection, Protected App Signals, SDK Runtime und On-Device Personalization, also sowohl die Web- als auch die Android-Varianten. Als Grund nennt Google „low levels of adoption“. Weitergeführt werden nur drei Technologien, die nicht auf Werbung zugeschnitten sind: CHIPS (partitionierte Cookies), FedCM (Federated Credential Management für Logins) und Private State Tokens. Außerdem will Google an einem browserübergreifenden Standard für Attribution mitarbeiten.
Die Nutzungszahlen stützen die Begründung. Im Antrag zur Entfernung der Topics API auf der Chromium-Entwicklerliste bezifferte Google den Anteil der Seitenaufrufe mit Topics-Aufruf auf 13 Prozent, im Juni 2026 waren es noch 4,9 Prozent. Eine Studie des Politecnico di Torino und der Universität Triest vom Juli 2026 kommt für die 10.000 meistbesuchten Webseiten auf etwa 17 Prozent bei Topics und unter einem Prozent bei Protected Audience. Nur CHIPS erreichte mit rund 50 Prozent breite Verbreitung. Hinzu kam, dass kein anderer Browserhersteller Interesse an der API signalisiert hatte.
Am selben Tag entließ die CMA Google aus den Privacy-Sandbox-Zusagen von 2022, weil ihre Wettbewerbsbedenken ohne Cookie-Abschaltung gegenstandslos geworden waren. Technisch läuft das Ende in Stufen ab: Topics wurde mit Chrome 144 (Januar 2026) als veraltet markiert, mit Chrome 150 (Juli 2026) werden die API-Aufrufe abgeschaltet und die Einstellungen aus der Chrome-Oberfläche entfernt, mit Chrome 152 soll der Code ganz verschwinden.
Was Google stattdessen macht
Google konzentriert sich auf Bereiche, in denen Chrome ohnehin Schutz bietet. Der Inkognito-Modus blockiert Third Party Cookies automatisch und soll weitere Schutzfunktionen erhalten. Für den normalen Browsing-Modus bleibt es bei der Wahlfreiheit über die Einstellungen.
Für Googles Werbegeschäft ändert sich wenig. Der Konzern hat angemeldete Nutzer:innen in Suche, YouTube, Android und Gmail und ist damit weit weniger auf Third Party Cookies angewiesen als der Rest des Marktes. Genau dieser Punkt war einer der Kritikpunkte an FLoC und Topics: Ein Browser-Hersteller, der zugleich der größte Werbevermarkter ist, definiert die Regeln für alle anderen.
Was das für Werbetreibende und Entwickler bedeutet
Third Party Cookies bleiben, aber nicht überall. Chrome, der meistgenutzte Browser, hält den größten Teil des Webs offen für Cookies. Safari blockiert Cookies von Drittanbietern seit März 2020 vollständig, Firefox blockiert bekannte Tracker seit 2019 und isoliert seit 2022 alle Cookies pro Seite. Auf iPhones und Macs wird seit Jahren ohne Third Party Cookies gearbeitet, daran ändert der Rückzug von Google nichts.
Investitionen in Privacy-Sandbox-APIs sind abzuschreiben. Wer Topics, Protected Audience oder Attribution Reporting integriert hat, sollte den Code bis Chrome 150 entfernen oder zumindest sicherstellen, dass die Anwendung mit abgelehnten API-Aufrufen sauber umgeht. Google empfiehlt, den Status einzelner APIs auf der Statusseite der Privacy Sandbox zu verfolgen.
Die eigentliche Aufgabe bleibt bestehen. Die Gründe, die 2019 zur Privacy Sandbox führten, gelten weiter: strengere Datenschutzgesetze, Consent-Pflichten nach § 25 TDDDG und DSGVO, Browser, die Tracking einschränken, und Nutzer:innen, die Cookie-Banner ablehnen. Die Antwort der Branche darauf sind First Party Data, Server-Side-Tagging, Consent Management, Universal IDs auf Basis von Login-Daten und Data Clean Rooms für den Datenaustausch mit Partnern. Diese Werkzeuge sind unabhängig von Chrome und funktionieren auch in Safari und Firefox. Wie sie zusammenspielen, beschreibt der Artikel „Probleme und Zukunft des Customer Trackings“.
Fazit
Topics war der Versuch, interessenbasierte Werbung in den Browser zu verlegen und dabei ohne Cookies und ohne individuelle Profile auszukommen. Die Technik funktionierte, der Markt hat sie trotzdem nicht angenommen. Ohne den Druck einer Cookie-Abschaltung fehlte der Anreiz zur Umstellung, und ohne Unterstützung durch andere Browser blieb Topics eine Chrome-Insellösung. Für Unternehmen zeigt der Verlauf, dass eine Datenstrategie besser nicht auf Ankündigungen einzelner Plattformen baut. Eigene Nutzerbeziehungen, sauber eingeholte Einwilligungen und eine Messinfrastruktur ohne Drittanbieter-Cookies sind 2026 die verlässliche Basis.
Häufige Fragen
Ist die Topics API noch nutzbar?
Nur noch kurz. Seit Chrome 144 (Januar 2026) ist die API als veraltet markiert, mit Chrome 150 (Juli 2026) werden Aufrufe abgelehnt. Andere Browser haben Topics nie unterstützt.
Werden Third Party Cookies in Chrome jetzt doch abgeschaltet?
Nein. Google hat im April 2025 erklärt, die Cookie-Einstellungen in Chrome so zu belassen, wie sie sind. Nutzer:innen können Third Party Cookies selbst blockieren, im Inkognito-Modus sind sie standardmäßig blockiert.
Welche Privacy-Sandbox-Technologien bleiben erhalten?
CHIPS (Cookies mit Partitionierung pro Top-Level-Site), FedCM für Login-Flows mit Identitätsanbietern und Private State Tokens zur Unterscheidung echter Nutzer:innen von Bots. Alle drei sind allgemeine Web-Plattform-Funktionen, keine Werbe-APIs.
Quellen
- Update on plans for Privacy Sandbox technologies (Privacy Sandbox Blog, 17. Oktober 2025)
- Next steps for Privacy Sandbox and tracking protections in Chrome (Privacy Sandbox Blog, 22. April 2025)
- A new path for Privacy Sandbox on the web (Privacy Sandbox Blog, 22. Juli 2024)
- Intent to Deprecate and Remove: Topics API (blink-dev, November 2025)
- Get to know the new Topics API for Privacy Sandbox (Google Blog, 25. Januar 2022)
- Privacy Sandbox: Feature status (Google)
- Investigation into Google’s Privacy Sandbox browser changes (CMA, Stand Oktober 2025)
- The Rise and Fall of Google’s Privacy Sandbox (arXiv, Juli 2026)
- Full Third-Party Cookie Blocking and More (WebKit Blog, März 2020)
- Firefox rolls out Total Cookie Protection by default (Mozilla Blog, Juni 2022)