Einführung: Was ist eine Customer Data Platform (CDP)?
Eine Customer Data Platform (CDP) ist eine Datenbank, die einheitliche Aufzeichnungen von Kund:innen, deren Eigenschaften und Daten erstellt. Eine CDP integriert sich dabei möglichst leicht mit vorhandenen Daten und ermöglicht einen Abruf der darin gespeicherten Informationen. Seit der ersten Fassung dieses Artikels 2022 hat sich der Markt spürbar verändert: Chrome behält seine Third Party Cookies, mehrere CDP-Anbieter wurden übernommen, und mit der Composable CDP auf dem eigenen Data Warehouse ist eine zweite Architektur entstanden. Dieser Artikel erklärt die Grundlagen und ordnet den Stand von 2026 ein.

Inhalt
Eine CDP erstellt dabei vollständige Kundenbilder, die eine 360-Grad-Ansicht aller Demographien, Interessen usw. beinhalten. Um dies zu erreichen, werden First Party Daten (Transaktions-, Verhaltens- und demografische Daten) aus verschiedenen Quellen und Systemen verknüpft.
Was ist eine First Party Datenstrategie? Dazu empfehlen wir den Artikel „First Party Data Strategie: Einführung und effiziente Umsetzung“
Was ist eine Customer Data Platform (CDP)?
First Party Daten sind der Treibstoff für eine auf die Zielgruppe abgestimmte Nutzererfahrung. Mit ihnen werden umsatztreibende oder kundenbindende Aktionen im Rahmen der eigenen Portale, Apps und sonstigen digitalen Produkte möglich.
Eine Customer Data Platform (CDP) ist ein System, das solche Kundendaten aus mehreren Quellen sammelt und vereinheitlicht, um eine vollständige 360-Grad-Ansicht einzelner Kund:innen zu erstellen.
Die Datenbank, die eine CDP dabei erstellt, wird dann für andere Systeme freigegeben, damit diese die Daten aktivieren und nutzen können und somit auf Unternehmensziele einzahlen.
Warum First Party Daten 2026 wichtig bleiben
Als dieser Artikel 2022 erschien, war der Anlass klar: Google wollte Third Party Cookies in Chrome abschaffen, und wer Kund:innen weiter erkennen wollte, brauchte eigene Daten. Der Anlass hat sich erledigt, das Argument nicht. Google hat den Cookie-Ausstieg im Juli 2024 aufgegeben, im April 2025 auch das geplante Auswahlfenster gestrichen und im Oktober 2025 die meisten Privacy-Sandbox-APIs eingestellt. Third Party Cookies bleiben also in Chrome.
Für Safari und Firefox gilt das nicht. Safari blockiert Third Party Cookies seit März 2020 vollständig, Firefox blockiert bekannte Tracking-Cookies seit Juni 2019 standardmäßig, und Apple verlangt in Apps seit 2021 eine ausdrückliche Tracking-Einwilligung. Dazu kommt, dass Google für Werbetreibende im EWR seit März 2024 den Consent Mode voraussetzt, also ein Einwilligungssignal, ohne das Conversion-Daten nicht mehr verarbeitet werden. Der Anteil der Kund:innen, die sich über Dritte nicht mehr erkennen lassen, ist damit dauerhaft hoch. Eine CDP löst dieses Problem, indem sie die Daten aus der direkten Kundenbeziehung nutzt, für die das Unternehmen selbst die Einwilligung eingeholt hat.
Warum braucht man eine CDP?
Es gibt viele Gründe für eine CDP. Die drei wichtigsten sind:
- Erfassen und Vereinheitlichen aller First Party Daten Viele in einem Unternehmensumfeld vorhandenen Systeme, die zu Marketingzwecken genutzt werden, arbeiten voneinander unabhängig. So entstehen Silos, von denen ein Silo die Daten des anderen nicht kennt, und es gestaltet sich als schwierig, eine einheitliche Sicht der Kund:innen zu erhalten. Eine CDP verfolgt genau diesen Ansatz und versetzt insbesondere das Marketing in die Lage, neue Vorgehensweisen zur Kundengewinnung und Kundenbindung (oder auch Rückgewinnung) zu etablieren.
- Management der Kundendaten Eine CDP hält alle First Party Daten vor, und zwar auf datenschutzkonforme Art und Weise. Jede Zustimmung von Kund:innen wird hier systemübergreifend dokumentiert. Die Nutzung zu Marketingzwecken wird jeweils nur gestattet, wenn die Person dies ausdrücklich bestätigt hat.
- Aktivierung Wenn Nutzer- und Kundendaten in einer CDP vorgehalten sind und alle notwendigen Berechtigungen vorhanden und dokumentiert sind, können diese Daten innerhalb der CDP strukturiert, analysiert und zu Zielgruppensegmenten zusammengeführt werden. Im letzten Schritt werden die Daten z. B. über eine API anderen Systemen zur Verfügung gestellt. So können diese Daten für eine verbesserte Kundenerfahrung oder umsatztreibende Anwendungsfälle genutzt werden.
Die meisten CDPs fokussieren sich auf die ersten beiden Punkte. Nur wenige Anbieter bieten auch direkt in der Plattform integrierte Aktivierungsfälle an.
Packaged CDP oder Composable CDP?
Das ist die Frage, die 2022 noch niemand stellte und die heute jede Evaluation prägt.
Eine Packaged CDP ist das klassische Modell: Segment (seit 2020 bei Twilio), Tealium, Adobe Real-Time CDP oder Salesforce Data Cloud nehmen die Daten auf, speichern eine eigene Kopie, lösen Identitäten auf, bilden Segmente und schicken sie an die angebundenen Zielsysteme. Alles kommt aus einer Hand, und das Marketing kann ohne Data-Engineering-Team arbeiten. Der Preis dafür ist eine zweite Datenhaltung neben dem, was im Unternehmen ohnehin schon existiert.
Eine Composable CDP dreht das um. Die Daten bleiben im Data Warehouse, das das Unternehmen bereits betreibt, etwa Snowflake, BigQuery oder Databricks. Darauf setzt ein Aktivierungs-Werkzeug, das Segmente direkt aus dem Warehouse bildet und per Reverse ETL in E-Mail-Tool, Werbeplattform oder CRM synchronisiert. Hightouch hat diesen Ansatz 2023 unter dem Begriff Composable CDP bekannt gemacht; Census war der zweite große Anbieter, bis Fivetran das Unternehmen im Mai 2025 übernahm. Vorteil: keine Datenkopie, eine Wahrheit für Analytics und Marketing, und die Kosten skalieren mit dem Warehouse statt mit einer Nutzerpauschale. Nachteil: Ohne Data Engineering und ein sauberes Datenmodell im Warehouse funktioniert es nicht.
Der Markt hat sich in beide Richtungen bewegt. Innerhalb weniger Wochen um den Jahreswechsel 2024/2025 wurden ActionIQ (an Uniphore), Lytics (an Contentstack) und mParticle (an Rokt, für 300 Millionen US-Dollar) übernommen. Gleichzeitig meldete das CDP Institute im Januar 2026, dass warehouse-native Anbieter ihre Belegschaft im zweiten Halbjahr 2025 um 7,8 Prozent vergrößerten, bei 1,3 Prozent im Branchenschnitt, und dass mehr als ein Viertel aller CDPs inzwischen eine warehouse-zentrierte Architektur unterstützt. In der Praxis laufen viele Unternehmen auf ein Mischmodell zu: Warehouse als Datenbasis, Reverse ETL für die Aktivierung, Packaged CDP nur dort, wo Echtzeit-Personalisierung im Web oder in der App verlangt wird.
Unsere Faustregel: Wer schon ein gepflegtes Data Warehouse und ein Datenteam hat, sollte mit einem Composable-Ansatz anfangen. Wer beides nicht hat und in erster Linie Marketing-Anwendungsfälle bedienen will, fährt mit einer Packaged CDP schneller.
Wie viel kostet eine CDP?
Diese Frage lässt sich nicht einheitlich beantworten, es gibt allerdings verschiedene Anhaltspunkte, an denen man sich orientieren kann.
Die Abrechnung erfolgt je nach Anbieter meistens auf Basis folgender Daten:
- Anzahl Nutzerdatensätze bzw. monatlich erfasster Nutzer:innen (Monthly Tracked Users)
- Anzahl Events von Nutzenden
- Anzahl verschickter Nachrichten (E-Mails, SMS, Push usw.)
Je nach identifizierten Anwendungsfällen und vorhandenen Daten variieren diese Zahlen natürlich sehr.
Konkrete Listenpreise veröffentlichen die meisten Anbieter nicht. Twilio Segment nennt als Preisbasis die Monthly Tracked Users und verweist für die vollständige CDP (Connections, Unify, Engage) auf ein individuelles Angebot; Tealium, Adobe und Salesforce arbeiten ausschließlich mit Angeboten. Realistisch ist deshalb eine Aussage über die Struktur statt über eine Summe: Packaged CDPs werden als Jahresverträge verkauft, deren Höhe mit Nutzer- und Eventvolumen wächst, und bei Enterprise-Anbietern kommen Implementierung und Beratung hinzu. Bei einer Composable CDP verteilen sich die Kosten auf das Warehouse (Speicher und Rechenzeit) und das Aktivierungs-Werkzeug, das häufig nach Zielsystemen oder synchronisierten Datensätzen abrechnet. Wer eine Größenordnung für das eigene Unternehmen braucht, kommt um Angebote von zwei bis drei Anbietern mit den eigenen Volumenzahlen nicht herum.
Was ist der Unterschied zwischen CDP und DMP?
Last but not least: Bei der Recherche zur Nutzung von Nutzerdaten stößt man unweigerlich auch auf den Begriff der Data Management Platform (DMP). Der Unterschied zwischen CDP und DMP besteht darin, dass CDPs First Party Daten nutzen, während DMPs Third Party Daten verarbeiten, in der Regel auf Basis von Cookies und pseudonymen Kennungen für den Einkauf von Werbeplätzen.
Beide nutzen zu einem gewissen Grad auch Second Party Daten. Im Rahmen einer First Party Datenstrategie spielt eine DMP zunächst allerdings keine Rolle, und mit dem Rückgang cookiebasierter Reichweite in Safari, Firefox und Apps hat sie seit 2022 weiter an Bedeutung verloren. Die Erklärung sollte hier allerdings nicht fehlen.
Fazit
Eine CDP ist die Antwort auf ein Problem, das unabhängig von Chrome besteht: Kundendaten liegen verstreut in Shop, App, Newsletter-Tool und CRM, und die Einwilligungen dazu ebenso. Ob die Lösung eine Packaged CDP oder ein Composable-Ansatz auf dem eigenen Warehouse ist, hängt vom vorhandenen Datenteam und den Anwendungsfällen ab. Was sich seit 2022 nicht geändert hat: Ohne definierte Anwendungsfälle und saubere Einwilligungen ist jede CDP eine teure Datenbank.
Häufige Fragen
Brauche ich eine CDP, wenn Chrome Third Party Cookies behält?
Die Frage nach Chrome ist für die CDP nebensächlich. Eine CDP arbeitet mit Daten aus der eigenen Kundenbeziehung, nicht mit Third Party Cookies. Wer Kund:innen über Shop, App und Newsletter hinweg erkennen und ansprechen will, braucht diese Vereinheitlichung unabhängig vom Browser.
Was ist der Unterschied zwischen CDP und CRM?
Ein CRM verwaltet bekannte Kontakte und deren Interaktionen mit Vertrieb und Service, meist manuell gepflegt. Eine CDP führt automatisch Verhaltensdaten aus allen digitalen Kanälen zusammen, auch von noch anonymen Besucher:innen, und stellt daraus Segmente für Marketing-Systeme bereit. Das CRM ist in der Regel eine der Datenquellen der CDP.
Kann ich eine CDP selbst bauen?
Mit einem Data Warehouse, einem Identity-Modell und einem Reverse-ETL-Werkzeug lässt sich ein großer Teil einer CDP heute aus Bausteinen zusammensetzen. Genau das ist der Composable-Ansatz. Voraussetzung ist ein Team, das Datenmodell und Pipelines pflegt.
Quellen
- Google: A new path for Privacy Sandbox on the web (Juli 2024)
- Google: Next steps for Privacy Sandbox and tracking protections in Chrome (April 2025)
- Google: Update on plans for Privacy Sandbox technologies (Oktober 2025)
- WebKit: Full Third-Party Cookie Blocking and More (März 2020)
- Mozilla: Firefox now available with Enhanced Tracking Protection by default (Juni 2019)
- Google Analytics Hilfe: Consent Mode
- Hightouch: What is a Composable CDP? (2023)
- Fivetran: Fivetran Signs Agreement to Acquire Census (Mai 2025)
- AdExchanger: Rokt Acquires mParticle For $300 Million (Januar 2025)
- Perform Digital: CDP Consolidation: What Four Acquisitions Reveal (2025)
- CDP Institute: CDP Institute Releases New CDP Industry Update (Januar 2026)
- CDP Institute: Are Composable CDPs Eating the CDP Industry’s Lunch? (August 2024)
- Twilio Segment: Pricing