Ist Deine App fit für den European Accessibility Act?

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Du hast eine eigene App entwickelt, die maßgeblich zum Erfolg deines Unternehmens beiträgt, ein zentrales Instrument zur Kundenbindung ist und Deinen Nutzer:innen wertvolle Dienste bietet? Mit dem Inkrafttreten des European Accessibility Act (EAA) im nächsten Jahr solltest Du Dir die Frage stellen: Ist deine App bereit für den EAA?
Was ist der European Accessibility Act (EEA)?
Der EAA ist eine EU-Richtlinie, die darauf abzielt, den Zugang zu digitalen Produkten und Dienstleistungen für alle Menschen zu ermöglichen und so gleichberechtigt am digitalen Leben teilhaben zu können. Der EAA wurde 2019 verabschiedet und legt fest, dass verschiedene digitale und physische Produkte sowie Dienstleistungen barrierefrei gestaltet werden müssen. Dazu gehören unter anderem Webseiten, mobile Anwendungen, elektronische Bücher und E-Commerce-Dienste. ie EU-Richtlinie wurde mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) am 16. Juli 2021 umgesetzt und gilt ab dem 28. Juni 2025 für Produkte und Dienstleistungen.
Welche Apps müssen den EEA einhalten?
Der EAA betrifft eine Vielzahl von digitalen Produkten und Dienstleistungen. Folgende Apps und digitale Angebote müssen den EAA-Anforderungen entsprechen:
- Öffentliche Dienstleistungen
Apps, die von öffentlichen Einrichtungen bereitgestellt werden, wie z.B. Regierungsportale, Gesundheitsdienste, und Bildungseinrichtungen, müssen barrierefrei sein.
- Verkehrsdienstleistungen
Apps, die Transportdienstleistungen anbieten, wie z.B. öffentliche Verkehrsmittel, Fahrplanauskünfte, und Ticketing-Systeme, müssen barrierefrei gestaltet werden.
- Online-Handel
Online-Shops und Marktplätze müssen sicherstellen, dass ihre Apps für alle Nutzer zugänglich sind, einschließlich der Kaufabwicklung, Produktbeschreibungen und Kundendienst. Darunter fallen auch Apps für Reisebuchungen, Hotelreservierungen und Freizeitaktivitäten. Im Grunde sind alle Apps betroffen, in denen Verbraucherverträge abgeschlossen werden können.
- Bank- und Finanzdienstleistungen
Apps, die von Banken und Finanzinstituten bereitgestellt werden, wie z.B. Online-Banking, Zahlungsdienste und Finanzberatung, müssen barrierefrei sein.
- Telekommunikationsdienste
Telekommunikationsunternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Apps, die Kommunikationsdienste wie Anrufverwaltung, Nachrichtenübermittlung und Vertragsverwaltung bieten, den EAA-Anforderungen entsprechen.
- Medien- und Unterhaltungsdienste
Streaming-Dienste, Nachrichtenportale, und andere Medienangebote wie E-Books müssen barrierefrei gestaltet werden, damit alle Nutzer auf Inhalte zugreifen können.
- E-Learning-Plattformen
Bildungs- und Lernplattformen, einschließlich Apps für Online-Kurse, Lernmanagementsysteme und virtuelle Klassenzimmer, müssen barrierefrei sein.
- Produktinformationen und Kundendienst
Apps, die Informationen über Produkte und Dienstleistungen bereitstellen oder Kundendienstfunktionen bieten, müssen barrierefrei sein.
Wer ist vom EEA ausgenommen?
Der EAA legt bestimmte Anforderungen für die Barrierefreiheit fest, jedoch gibt es auch einige Ausnahmen und besondere Regelungen. Hier sind die wichtigsten Ausnahmen:
1. Kleinstunternehmen
Kleinstunternehmen sind weitgehend von den Verpflichtungen des EAA ausgenommen. Dennoch wird empfohlen, dass auch KMU bestrebt sind, ihre digitalen Angebote so zugänglich wie möglich zu gestalten. Kleinstunternehmen sind Unternehmen mit weniger als 10 beschäftigten Personen oder weniger als zwei Millionen Euro Jahresumsatz.
2. Bestimmte Produkte und Dienstleistungen
Produkte und Dienstleistungen, die grundlegend verändert werden müssten, können von den Anforderungen des EAA ausgenommen sein. Dies muss jedoch gut begründet, dokumentiert und die zuständige Marktüberwachungsbehörde unterrichtet werden.
3. Ältere Inhalte & Dateiformate
Inhalte, Dateiformate und Dienstleistungen, die vor Inkrafttreten des EAA (Stichtag: 28. Juni 2025) veröffentlicht wurden, sind teilweise ausgenommen. Allerdings müssen neue oder überarbeitete Inhalte den Barrierefreiheitsanforderungen entsprechen.
4. Unverhältnismäßige Belastung
Wenn die Umsetzung der Barrierefreiheitsanforderungen eine unverhältnismäßige Belastung für den Anbieter darstellt, kann eine Ausnahme beantragt werden. Hierzu müssen jedoch konkrete Nachweise erbracht werden, dass die Anpassung wirtschaftlich oder technisch nicht zumutbar ist. Auch hier muss die zuständige Marktüberwachungsbehörde unterrichtet werden.
Was bedeutet das für meine App?
Der EAA bedeutet, dass Apps wie die von Peter bestimmte Anforderungen erfüllen müssen, um barrierefrei zu sein. Dies umfasst Aspekte wie:
- Textalternativen: Bilder und Grafiken müssen durch Textalternativen beschrieben werden, damit Screen-Reader sie vorlesen können.
- Tastaturnavigation: Die App muss vollständig über die Tastatur navigierbar sein, ohne dass eine Maus erforderlich ist.
- Kontrast und Lesbarkeit: Farben und Schriftgrößen müssen so gewählt werden, dass Texte auch für Menschen mit Sehbehinderungen gut lesbar sind.
- Untertitel und Transkriptionen: Videos und Audios müssen Untertitel oder Transkriptionen bieten, damit gehörlose oder schwerhörige Nutzer die Inhalte verstehen können.
- Dokumentation: die Einhaltung der Barrierefreiheitsanforderungen muss durch die technische Dokumentation belegt werden.
Die genauen Anforderungen ergeben sich aus der “Harmonisierten Europäischen Norm”.
Was passiert, wenn meine App den EAA nicht einhält?
Die Einhaltung des EAA ist für viele Unternehmen in der EU eine wichtige Voraussetzung, um digitale Produkte und Dienstleistungen barrierefrei zu gestalten. Aber was passiert, wenn Deine App den EAA nicht einhält? Hier sind die möglichen Konsequenzen:
1. Rechts- und Verwaltungssanktionen
Behörden können Bußgelder verhängen oder andere verwaltungsrechtliche Maßnahmen ergreifen. In schwerwiegenden Fällen können auch gerichtliche Schritte eingeleitet werden, um die Einhaltung der Vorschriften durchzusetzen.
2. Verpflichtung zur Nachbesserung
Sie könnten verpflichtet werden, Deine App innerhalb eines bestimmten Zeitraums auf die Anforderungen des EAA anzupassen. Dies kann zusätzliche Kosten und Ressourcen erfordern.
3. Ausschluss von öffentlichen Aufträgen
Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen nicht barrierefrei sind, können von der Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen ausgeschlossen werden, was potenziell lukrative Geschäftsmöglichkeiten einschränkt.
4. Nutzerbeschwerden und Klagen
Betroffene Nutzer können Beschwerden einreichen oder rechtliche Schritte gegen Ihr Unternehmen einleiten. Dies kann zusätzliche rechtliche Kosten und möglichen Schadenersatz zur Folge haben.
5. Reputationsschäden
Eine negative Publicity und der Vertrauensverlust bei Nutzern und Geschäftspartnern können langfristige Auswirkungen auf das Ansehen und die Marke Deines Unternehmens haben.
6. Weitere Nachteile
Es ist möglich, dass Deine Website schlechter bei Google gelistet wird. Zwar bewertet Google die Barrierefreiheit nicht direkt, jedoch spielt die Benutzererfahrung eine entscheidende Rolle im Ranking (siehe hier und hier). Durch eine verbesserte Barrierefreiheit verbessert sich auch die Benutzererfahrung, was sich positiv auf das Ranking auswirken kann.
Der demografische Wandel führt zu einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft und damit zu einer steigenden Nachfrage nach barrierefreien Apps. Unternehmen, die diesen wachsenden Bevölkerungsanteil als Nutzer:innen verlieren, weil ihre Apps nicht barrierefrei sind, riskieren dadurch einen erheblichen Wettbewerbsnachteil.
Was sollte ich jetzt tun?
Eine App barrierefrei zu gestalten, kann eine Herausforderung sein, besonders wenn man mit den spezifischen Anforderungen und Standards des EAA nicht vertraut ist. Es ist daher ratsam, dass Du Dich rechtzeitig über die Anforderungen des EAA informierst und sicherstellst, dass Deine App diese erfüllt.
Analyse
Zunächst solltest Du prüfen, ob Deine App von den Regelungen betroffen ist, da für Kleinstunternehmen, bestimmte Bereiche und in speziellen Fällen Ausnahmen gelten. Die Bundesfachstelle für Barrierefreiheit bietet hierzu insbesondere für Kleinstunternehmen Beratungsangebote an.
Es ist ratsam, diesen Schritt frühzeitig zu unternehmen, da eventuelle Anpassungen Deiner App Zeit in Anspruch nehmen können.
Barrierefreiheit prüfen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Barrierefreiheit Deiner App zu prüfen. Ein guter Ansatz ist die Nutzung von Tools, um eine erste Einschätzung zu erhalten, wo möglicherweise Handlungsbedarf besteht. Hier eine kurze Übersicht:
- iOS: Apple bietet mit dem “Accessibility Inspector” eine einfache Möglichkeit, Deine iOS-Apps zu prüfen. Zudem kann Xcode einen “Accessibility Audit” für einzelne Bildschirme Deiner App durchführen.
- Android: Google hat den “Accessibility Scanner” direkt in Android Studio integriert. In der Play Console erhältst Du im Rahmen des “Pre-Launch”-Berichts automatisch Vorschläge zur Verbesserung der Barrierefreiheit.
- Web: Mit den “Chrome Entwickler-Tools” kannst Du die Barrierefreiheit Deiner Web-App überprüfen.
- Flutter: Die Barrierefreiheit von Flutter-Apps kann je nach Plattform mit verschiedenen Tools überprüft werden. Weitere Informationen findest Du hier.
Um ein noch umfassenderes Bild von der Barrierefreiheit zu bekommen, kann es sinnvoll sein, ein Screen-Reader-Programm zu nutzen. Diese sind im Betriebssystem integriert, z.B. “TalkBack” auf Android und “VoiceOver” auf Apple-Geräten, und lassen sich sowohl für Apps als auch für das Web einsetzen.
Verbesserungen zur Barrierefreiheit umsetzen
Nachdem Du nun einen Überblick darüber hast, welche Anpassungen erforderlich sind, um die Kriterien der Barrierefreiheit zu erfüllen, ist es wichtig, ausreichend Zeit für die Umsetzung einzuplanen. Stelle sicher, dass alle notwendigen Änderungen bis zum Stichtag implementiert sind.
Technische Dokumentation aktualisieren / erstellen
Stelle sicher, dass alle Aspekte der Barrierefreiheit darin berücksichtigt werden. Eine gut gepflegte Dokumentation trägt zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben bei.
Für die Zukunft
Plane neue Features so, dass sie die Kriterien der Barrierefreiheit von Anfang an erfüllen. Achte darauf, dass die technische Dokumentation stets aktuell gehalten und um Aspekte der Barrierefreiheit ergänzt wird. Es kann außerdem sinnvoll sein, Dein Team bzw. Deine Mitarbeitenden entsprechend zu schulen. Halte dich auf dem Laufenden, was Änderungen bezüglich Barrierefreiheit angeht. Nutze insbesondere als Kleinstunternehmen die Informationen und Beratungsangebote der Bundesfachstelle für Barrierefreiheit.
Fazit
Deine App soll auch weiterhin maßgeblich zum Erfolg Deines Unternehmens beitragen. Indem Du sicherstellst, dass seine App den Anforderungen des European Accessibility Act entspricht, kannst Du einen wichtigen Beitrag zu einer inklusiveren digitalen Welt leisten & Deine App für ein breiteres Publikum zugänglich machen.
Quellen
BFSG: https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Gesetze/barrierefreiheitsstaerkungsgesetz.pdf (abgerufen am 4.7.2024)
Harmonisierte Europäische Norm: https://www.barrierefreiheit-dienstekonsolidierung.bund.de/Webs/PB/DE/gesetze-und-richtlinien/en301549/en301549-artikel.html;jsessionid=FCBB87D46DF917B1806E8AF2E0FFED2E.live892 (abgerufen am 4.7.2024)
**Bundesfachstelle für Barrierefreiheit: **https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/DE/Home/home_node.html (abgerufen am 4.7.2024)